Die Brunft des Rehwildes fällt bekanntlich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – in die Monate Juli und August. Jetzt aber, in der ersten Augusthälfte beginnt für den Jäger die eigentliche „Blattzeit“. Und mit ihr jene Form der Lockjagd, auf die ungezählte Jäger unseres Landes Jahr für Jahr sehnsüchtig warten.

Mit etwas Geschick und Erfahrung sowie den richtigen Tönen und dem notwendigen Einfühlungsvermögen in die jeweilige Situation gelingt es uns, den Rehbock zum „Springen“ oder „Zustehen“ zu bewegen. Lange vorher jedoch sucht der Rehbock vor dem geistigen Auge der Jäger mit „tiefer Nase“ in seinem Territorium und weit darüber hinaus nach weiteren brunftigen Ricken oder Schmalrehen. Das tut er auch – einerseits suchen aber eben nicht nur die Böcke nach einem Fortpflanzungspartner, andererseits sind ihre Exkursionen in fremde Territorien offenbar deutlich seltener als bisher angenommen, wenn sie überhaupt stattfinden.

Dies zeigen unmissverständlich Studien aus Schweden, Norwegen, Österreich und Südtirol/Italien (Liberg et al. 1996, Andersen et al. 1998, Zeiler 2009, Wotschikowsky 1996). So machen sich auch die im Oestrus befindlichen, brunftigen weiblichen Rehe regelmäßig(!) auf die Suche nach Rehböcken – teilweise weit außerhalb ihrer eigentlichen Streifgebiete. Aus ihrer Sicht ist dies mehr als sinnvoll: Schmalrehe und Ricken sind monoöstrisch, dass heißt, dass sie nur einmal im Jahr für etwa 36 Stunden paarungsbereit sind…

Zu den in der Blattzeit außerhalb ihrer Territorien angeblich immer wieder weit umher suchenden Böcken sie an dieser Stelle mein Kollege Ulrich Wotschikowsky zitiert: „Wir hatten in Hahnebaum keine Beobachtung eines markierten oder sonst wie bekannten Bockes, der in der Brunft sein Territorium verließ“.