Grob gefasst ranzen Füchse in Mitteleuropa von Dezember bis Februar. Einerseits eine relativ lange Zeit, andererseits geben uns die Rotröcke noch immer einige Rätsel hinsichtlich ihrer alljährlichen Fortpflanzung auf. Denn auch bei der Fuchsranz scheint – wie so oft in der Wildbiologie – kaum etwas in Stein gemeißelt zu sein …

Füchse werden im Alter von etwa 9 bis 10 Monaten geschlechtsreif. Da die Hauptwurfzeit in unseren Breiten in die erste Aprilhälfte fällt, kann sich der ganz überwiegende Teil der einjährigen Rüden und Fähen theoretisch an der auf ihr Geburtsjahr folgenden Ranz beteiligen. Die potenziellen Fortpflanzungspartner finden sich primär über Duftlockstoffe (Sexualpheromone, Harnmarken) der Fähen zusammen, die seitens der Rüden selbst über Kilometer wahrgenommen werden können. Suchende Rüden versuchen darüber hinaus über ein heiseres Bellen Kontakt mit den Fähen aufzunehmen.

Füchse zeigen einen monoöstrischen Fortpflanzungszyklus. Die Rüden sind dabei von Ende November / Anfang Dezember bis etwa Anfang März befruchtungsfähig. Der eigentliche Östrus der Fähen dauert dagegen nur etwa zwei bis drei Tage. Nur in diesem kurzen Zeitfenster ist eine weitgehend sichere Befruchtung der Eizellen gewährleistet. Dem voraus geht eine etwa zehntägige Vorranz (Proöstrus). In dieser Zeit werden „allzu ungestüme“ Rüden von der Fähe noch abgewiesen. Trotzdem weichen die Rüden ihren prospektiven Partnerinnen schon jetzt kaum noch von der Seite.

Allerdings locken „läufige“ Fähen über ihre Sexualduftstoffe regelmäßig mehr als einen Rüden an. Je nach Wilddichte, Alters- und Sozialstruktur der Populationen kann es dabei zu heftigen Beißereien zwischen etwa gleichstarken Rüden mit ernsthaften Verletzungen kommen. Eine Auswahl der Rüden seitens der Fähen erfolgt offenbar nicht.

So schildert z. B. Labhard (1990) eine Freilandbeobachtung, in der sich eine Fähe von drei verschiedenen Rüden nacheinander begatten ließ. Die Ergebnisse anderer Untersuchungen bestätigen, dass es zu Kopulation mit mehreren Rüden kommen kann. So gibt es „den vermeintlich monogamen Rüden“, der sich scheinbar fürsorglich an der Versorgung der Welpen mit Nahrung beteiligt, im Zweifel gar nicht. Es ist dann „ein Rüde“, welcher auch immer – wenn überhaupt … Denn welche Rüden die etwa 51 bis 53 tägige Tragzeit der Fähen überleben, wissen wir nicht. Die Mortalität z. B. durch den Straßenverkehr oder Bau- und Ansitzjagd ist hoch!

(Fortsetzung folgt in den Natur-News im Februar 2014)