Wild im „Schwitzerland“…?

In der zurückliegenden Folge der Lüdersburger Naturnews wurde u. a. dargelegt, dass auch wiederkäuendes Schalenwild bei großer sommerlicher Hitze sehr wohl trinkt und seinen Wasserbedarf nicht allein über seine Äsungspflanzen und Tau deckt. Doch wie sehen weitere mögliche Sommerstrategien unserer Wildtiere aus?
Bei sehr hohen Außentemperaturen (oder körperlicher Anstrengung) setzt als Hitzeschutz ein körpereigener „Kühler“ ein – durch das Verdunsten von Wasser. Die Verdunstung von Wasser, nicht nur auf der Haut (Schwitzen), ist generell ein sehr wirksames Mittel zum Wärmeentzug. Im Umkehrschluss spricht man auch von Verdunstungskälte. Die Schweißdrüsen der Säugetiere – sofern vorhanden – sitzen in aller Regel an den Haarwurzeln. Die Bedeutung der Schweißsekretion liegt ausschließlich auf dem Gebiet der Thermoregulation. Dieser Aufgabe ist der Schweiß besonders dadurch angepasst, dass er das „verdünnteste“ Sekret aller Drüsen ist. Schweiß besteht in erster Linie aus Wasser und enthält weniger als ein Prozent feste Bestandteile, vornehmlich Salz. Höhere Konzentrationen würden die Verdampfung erschweren und damit den Kühlungseffekt mindern. Ob unsere Wildarten aber tatsächlich schwitzen, ist nach wie vor umstritten.
Schwarzwild z. B. verfügt zwar über Schweißdrüsen, transpiriert aber nicht. Nach Stubbe (1997) besitzt Rehwild überhaupt keine Schweißdrüsen. Der Autor beschreibt weiterhin: „Seit langer Zeit ist bekannt, dass Wild nicht schwitzt.“ Piegert & Uloth (2000) dagegen schildern zum Muffelwild: „An heißen Sommertagen können Mufflons auch schwitzen. Dann atmen sie mit leicht geöffnetem Äser und offenen Nüstern und sind an der Unterseite schweißfeucht. Auch hecheln Mufflons an heißen Tagen.“
Als Hecheln bezeichnet man die Abgabe von Wasserdampf mit der Atemluft bei göffnetem Maul, Äser, Fang oder Schabel und „heraus hängender“ Zunge. Das Hecheln wird bei Arten ohne Schweißdrüsen, zum Beispiel Vögeln, und solchen mit schwacher Schweißsekretion (Hund, Fuchs, Kaninchen usw.) beobachtet. Beim Hecheln steigt zwar die Atemfrequenz, die Atemtiefe dagegen wird vermindert. Hunde können ihre Atemfrequenz dabei auf 400 steigern, das ventilierte Luftvolumen steigt von etwa zwei Liter pro Minute auf etwa 75 Liter pro Minute an.
Da der Feldhase kein ausgeprägtes Brutpflegeverhalten zeigt, liegen die Junghasen relativ ungeschützt in der Sasse. Sie müssen daher einen wesentlichen Teil ihrer Energiereserven für die Aufrechterhaltung ihrer Körpertemperatur beziehungsweise zur Vermeidung von Überhitzung verwenden. Das Fett in der Muttermilch (20 Prozent!) dient dabei nicht nur als Energiequelle zur Wärmeproduktion bei kalter Witterung, sondern im Hochsommer auch als „Wasserspeicher“. Da beim Abbau von einem Gramm Fett im Tierkörper 1,1 Gramm Wasser entsteht, haben die Junghasen auch in Dürreperioden Wasser verfügbar, mit dem sie unter anderem durch Hecheln und Einspeicheln eine Überhitzung vermeiden können (Hackländer et al. 2002).
Weiterhin nutzt der adulte Feldhase die langen und dünn behaarten Löffel zur Thermoregulation. Bei kaltem Wetter sind die Löffel wenig durchblutet und daher nur wenig wärmer als die Lufttemperatur – sofern diese nicht unter den Gefrierpunkt absinkt. Bei großer Hitze dagegen öffnen sich die Arterien weiter, die Löffel werden gut durchblutet und die Wärme wird so vom Körperkern abgeführt.