Unverhofft kommt oft – der Wintereinbruch in Lüdersburg

Am 8. November diesen Jahres traf der Winter ungewohnt früh und in ungewohnter Härte in der norddeutschen Tiefebene ein. Innerhalb weniger Stunden verwandelte sich, eine etwa knöcheltiefe Schneedecke rund um Lüdersburg in eine fast skandinavisch anmutende Winterlandschaft. Die Elbtalaue in Weiß – wann gab es das das letzte mal?

Das Haupthaus der Jagdschule im vorweihnachtlichen Schneeanstrich

Die Jagdschule im vorweihnachtlichen Schneeanstrich

Schneeschieber & Vogelfutter

Der kurzfristige Wintereinbruch lässt vor allem zwei Dinge zu absoluten Verkaufsschlagern in Super-, Garten- und Baumärkten werden: Schneeschieber und Vogelfutter …
Kurz nach dem Beschicken der Futterhäuschen in der Jagdschule, tummelten sich die üblichen Verdächtigen der heimischen Vogelwelt dankbar zwischen Sonnenblumenkernen und Weichfutter. Unter ihnen fanden sich hier und dort bereits auch die nordischen Bergfinken in erstaunlich hoher Zahl ein.

Klimaerwärmung verschiebt Winterquartiere in Richtung Norden

Solche Zuwanderungen sollten jedoch nicht über einen Trend hinwegtäuschen, der die Winterquartiere zahlreicher Arten im Zuge der Klimaerwärmung immer weiter gen Norden verschiebt. Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes in Seewiesen analysierten vor diesem Hintergrund das Wanderverhalten von insgesamt 30 Arten.

Kohlmeise im Winter Copyright: Icarmen13 Fotolia

Kohlmeise im Winter

Dabei zeigte sich, dass mindestens zehn dieser Spezies, darunter Kohlmeise, Wald- und Steinkauz, tatsächlich schon jetzt weniger weit oder überhaupt nicht mehr ziehen beziehungsweise verstreichen.
Andere Untersuchungen wiederum zeigten, dass sich die durchschnittliche Ankunftszeit im Frühjahr um bis zu elf Tage nach vorn verschoben hat. Der herbstliche Wegzug erfolgt deutlich später und immer mehr Arten nutzen neue, nördlichere Überwinterungsgebiete.

Nicht Mehr Zieher“  im Kommen?
So mehren sich Beobachtungen, dass selbst einige Kraniche bereits versuchen, im Brutareal zu überwintern. Ein treffendes Beispiel für einen bereits etablierten „Nicht-mehr-Zieher“ bietet in unseren Breiten die Graugans.

Graugans Copyright by ganryu fotolia

Graugans im Flug

Als Zwischenfazit für diesen Wintereinbruch, deuten neben anderen wissenschaftlichen Erhebungen also auch die früheren Ankünfte von Zugvögeln im Frühjahr, ein früherer Beginn der Brutzeit, ein späterer herbstlicher Zugbeginn und eine Verschiebung der Brutareale gen Norden unzweifelhaft auf eine generelle Erwärmung Mitteleuropas hin.  Um die weitergehenden Folgen für das Vorkommen und Zugverhalten zahlreicher Arten zu dokumentieren, erstellten Forscher der Universitäten Durham und Cambridge sowie der Royal Society for the Protection of Birds einen Klima-Atlas.

Demzufolge dürfen wir uns in absehbarer Zeit auf eine Vielzahl neuer Faunenelemente freuen. Pure Freude wird deswegen bei Jägern und anderen Naturbeobachtern jedoch nicht aufkommen. Denn auch bei den Folgen des Klimawandels auf die Vogelwelt wird es naturgemäß Gewinner und Verlierer geben.