Die herbstlichen Treibjagden auf die klassischen Niederwildarten sind längst gelaufen, der Abschussplan des wiederkäuenden Schalenwildes ist bis auf wenige Ausnahmen erfüllt und auf Drückjagden sollten wir ab Januar aus gutem Grund verzichten. Was bleibt? Zwar bieten auch die Monate Januar und Februar noch einiges an jagdlichen Reizen. Erwähnt sei hier vor allem die Jagd auf den Fuchs in der Hochphase seiner Ranzzeit. Doch nicht ohne Grund wird das nun beginnende Zeitfenster bishin zum 1. Mai als weitgehend „jagdfreie“ Zeit bezeichnet. Ruhe kehrt ein. Zeit zum Nachdenken, vielleicht zum Umdenken, Zeit zur Planung, vielleicht zum Neustart.
Diese Zeit sollten Sie sich nehmen. Hinterfragen Sie beispielsweise die Effizienz ihrer Jagdpraxis. Naturgemäß kann man nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Doch war die Mehrheit ihrer jagdlichen Aktivitäten tatsächlich im Vorfeld geplant? Basierten sie auf gezielten Beobachtungen und tatsächlich gewonnenen Erkenntnissen? Oder haben sie sich vielleicht doch nur allzu oft auf „gut Glück“ eben mal irgendwo angesetzt? Wurde das jahreszeitlich wechselnde Verhalten der betreffenden Wildarten, wurde ihr Aktivitätsrhythmus, ihre Einstände und Wechsel berücksichtigt? Stehen vor diesem Hintergrund ihre jagdlichen Einrichtungen tatsächlich noch richtig?
Unabdingbar für die Beantwortung (auch) dieser Fragen ist eine detailliert geführte und fortlaufend aktualisierte Revierkarte. Denn was vor drei oder vier Jahren, ja eventuell noch im zurückliegenden Jahr 2016 richtig und erfolgreich war, kann sich angesichts veränderter forst- oder landwirtschaftlicher Maßnahmen und Strukturen in kurzer Zeit fast gänzlich relativieren. So kann beispielsweise eine Leiter oder ein Hochsitz von einer annähernd „sicheren Bank“ in kürzester Zeit zum fast „chancenlosen Außenseiter“ mutieren.
Und gegebenenfalls kann weniger mehr sein. Gezielte Jagdintervalle und Sammelansitze sowie eine ebenso gezielte wie lebensraumorientierte und vielleicht schadensmindernde Schwerpunktbejagung sind weit effizienter als störungsintensive „Daueransitze“ mit mäßigem Jagderfolg. Denn noch immer gilt der Grundsatz: Löschen, wo es brennt! Nicht wo gerade Wasser ist …
Sind ihre Kirrungen für das Schwarzwild noch richtig platziert? Ist der so lieb gewonnene und „längst tradierte“ Termin für die alljährliche Drück- oder Treibjagd wirklich noch passend? Fragen über Fragen. Gehen Sie ihnen nach und suchen Sie nach Antworten. Und reagieren Sie bitte auf dabei eventuell festgestellte Mängel und Defizite. Bis zum Mai bleibt ausreichend Zeit für „Umstellungen, Abrisse und Neubauten“. Gleiches gilt für die Planung der allgemeinen Hege und spezieller lebensraumverbessernder Maßnahmen. Nutzen Sie die Zeit – auf geht’s!