Zeit zum Nachdenken

Zwar bietet auch die Zeit nach dem 31. Januar noch einiges an jagdlichen Reizen, erwähnt sei hier vor allem die Jagd auf den Fuchs in der Hochphase seiner Ranzzeit, doch nicht ohne Grund werden die Monate ab Februar bis hin zum 1. Mai als weitgehend „jagdfreie“ Zeit bezeichnet. Zeit zum Nach- oder Umdenken, Zeit zur Planung oder zum Neustart.
Diese Zeit sollten Sie sich nehmen. Hinterfragen Sie beispielsweise die Effizienz ihrer Jagdpraxis. Naturgemäß kann man nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Platz sein. Doch war die Mehrheit Ihrer jagdlichen Aktivitäten tatsächlich im Vorfeld geplant? Basierten sie auf gezielten Beobachtungen und tatsächlich gewonnenen Erkenntnissen? Oder haben Sie sich vielleicht doch nur allzu oft auf „gut Glück“ eben mal irgendwo angesetzt? Wurde das jahreszeitlich wechselnde Verhalten der betreffenden Wildart, wurde ihr Aktivitätsrhythmus, ihre Einstände und Wechsel berücksichtigt? Stehen vor diesem Hintergrund Ihre jagdlichen Einrichtungen tatsächlich noch richtig?
Unabdingbar für die Beantwortung (auch) dieser Fragen ist eine detailliert geführte und fortlaufend aktualisierte Revierkarte. Denn was vor fünf oder sechs Jahren, ja eventuell gar nur vor drei oder zwei Jahren richtig und erfolgreich war, kann sich angesichts veränderter forst- oder landwirtschaftlicher Maßnahmen und Strukturen in kurzer Zeit fast gänzlich relativieren. So mutiert beispielsweise eine Leiter oder ein Hochsitz von einer annähernd „sicheren Bank“ in kurzer Zeit zum fast „chancenlosen Außenseiter“.
Gegebenenfalls kann weniger mehr sein. Gezielte Jagdintervalle und Sammelansitze sowie eine ebenso gezielte wie lebensraumorientierte und vielleicht schadensmindernde Schwerpunktbejagung sind weit effizienter als störungsintensive „Daueransitze“ mit mäßigem Jagderfolg.
Sind Ihre Kirrungen für das Schwarzwild noch richtig platziert? Ist der so lieb gewonnene und „längst tradierte“ Termin für die alljährliche Drück- oder Treibjagd wirklich noch passend? Fragen über Fragen. Gehen Sie ihnen nach und suchen Sie nach Antworten. Und reagieren Sie bitte auf dabei eventuell festgestellte Mängel und Defizite. Bis zum Mai bleibt ausreichend Zeit für „Umstellungen, Abrisse und Neubauten“. Gleiches gilt für die allgemeine Hege und spezielle lebensraumverbessernde Maßnahmen, die demnächst an dieser Stelle im Fokus stehen.