Im September-Kapitel der Lüdersburger Jagd- und Naturnews wurden bereits die Vorteile einer frühzeitigen Erfüllung der Abschussvorgaben beim weiblichen Rehwild sowie der Bockkitze im September und Oktober vor allem in Feldrevieren erläutert: Hohe Aktivität und damit gute „Sichtbarkeit“, keine nennenswerten Gewichtszunahmen der Kitze bis zum Januar, ein noch relativ gutes Äsungs- und Deckungsangebot, die Zeitumstellung am letzten Sonntag im Oktober und einiges mehr.

Gleiches gilt prinzipiell auch für Waldreviere. Doch kommt „im Busch“ ein wesentlicher Aspekt hinzu: Spätestens mit der hier und dort bereits Mitte September einsetzenden Maisernte stellen sich viele Rehe um und suchen ihren Einstand im angrenzenden Wald. Der weitere Erntefortgang und der einsetzende Laubfall im Feldrevier verstärken diese „Zuwanderung“ im Oktober (und November) fortlaufend. Gleichsam sinkt im Wald das Angebot an krautiger oder grasartiger Grünäsung. Und die vielerorts wenigen, verbliebenen Brombeerbüsche machen „den Kohl“ dann auch nicht mehr fett.

Was bleibt den Rehen, außer sich an die jeweils stockenden und erreichbaren Baumarten zu halten. Im Fokus der Rehe stehen dabei die das Höhenwachstum der Bäume prägenden Terminaltriebe bis zu einer Höhe von etwa 120 Zentimetern. Und abgesehen davon, dass durch die deutlich geringere Regenerationsfähigkeit der Bäume im Winter die Verbissbelastung im Normalfall weitergehende Beeinträchtigungen nach sich zieht als im Sommer, ist der Winterverbiss durch den Mangel an krautiger Äsung ohnehin regelmäßig um den Faktor drei bis fünf höher als im Sommerhalbjahr.

Nun ist bekanntlich nicht jede verbissene Eiche, Buche oder was auch immer mit einem wirtschaftlichen Schaden gleichzusetzen. Wichtig ist und bleibt das Erreichen der waldbaulichen Ziele. Ebenso lässt sich nicht immer und überall eine Verbissminderung lediglich über eine Abschusserhöhung erreichen. Zu vielfältig sind die diesbezüglich wirksamen Faktoren. So wirken sich z. B. die Störungsintensität, die jeweilige Baumhöhe sowie der klimatische Winterverlauf selbst auf die Verbissprozente aus.

Trotzdem aber erscheint es in jedem Fall logisch und in der Regel nutzbringend, möglichst viele der freigegebenen adulten Geißen sowie Schmalrehe und Kitze bereits im September und Oktober zu erlegen: Man hat den Großteil der genannten Rehe zur Strecke gebracht, bevor sie die Waldvegetation weiter verbeißen konnten. Und erlegt werden müssen sie sowieso … Ebenso oder ähnlich ist selbstverständlich die Situation beim Rot-, Dam- und Muffelwild.