Abgesehen von den in diesem Jahr besonders milden Temperaturen zeigen uns – wie alljährlich – bestimmte Heimkehrer unter den Zugvögeln den Beginn des Frühlings und Frühsommers an. Prominente Vertreter unter den sogenannten Frühlingsboten sind beispielsweise der Rote Milan, die Bachstelze, die Waldschnepfe und der Kuckuck.

Letzterer zählt zu den Spätheimkehrern. Die Winterquartiere des Kuckucks liegen in Afrika, südlich des Äquators. Alt- und Jungvögel verlassen mehrheitlich im August ihre mitteleuropäischen Brutgebiete und kehren, abgesehen von einigen Frühankömmlingen, etwa in der zweiten Aprilhälfte sowie Anfang Mai zurück. Erst dann können wir wieder regelmäßig den unverkennbaren Ruf des Brutschmarotzers hören.

Deutlich früher ist die Bachstelze dran. Ihr relativ monotones „Fizzipp“ ist hier und dort schon Anfang / Mitte März in den Revieren und Ortschaften zu hören. Bereits Mitte April ist der Heimzug weitestgehend abgeschlossen. Die Winterquartiere unserer „Wippsteerts“ liegen in Süd- und Südwesteuropa sowie in Nordafrika.

Ebenfalls im März kehren die Waldschnepfen zurück. Unter Jägern ist besonders der erste Vers des „Schnepfengedichtes“ noch immer gut bekannt: „Okuli, da kommen sie“. Okuli beschreibt den dritten Passionssonntag oder den vierten Sonntag vor Ostern. Die Überwinterungsgebiete des „Vogels mit dem langen Gesicht“ liegen im Mittelmeerraum und in den atlantisch geprägten Teilen Westeuropas. Allerdings scheint die Zahl der sogenannten Lagerschnepfen, also den Individuen, die auch den Winter im oder in der Nähe des Brutgebietes verbringen, weiter zu steigen.

Zwar überwintern auch einige wenige Roten Milane in Deutschland, vor allem in Baden-Württemberg und in Niedersachsen (Harzvorland), die übergroße Mehrheit zieht jedoch nach wie vor in die mehrheitlich spanischen Winterquartiere. Erst im Oktober verlassen die Greife ihre Brutgebiete, um bereits im Februar und in der ersten Märzdekade heimzukehren.

Wie unterschiedlich die witterungsbedingten Ankunftszeiten der einzelnen Arten sein können, zeigt sich, wenn man über mehrere Jahre einen Zugvogelkalender fortschreibt. Sie werden erstaunt sein, wie flexibel die meisten Zugvögel auf ihren Wanderungen zurück ins Brutgebiet sind. So konnte ich in diesem Jahr den ersten Rotmilan bereits am 10. Februar beobachten. Im zurückliegenden Jahr 2013 mit einem langen und kalten Spätwinter zeigte sich der erste Artgenosse erst am 16. März in seinem Brutgebiet …

Andreas David