Lagerschnepfen und andere „Erscheinungen“

In zahlreichen, aktuellen jägerischen Diskussionen und Gesprächen sind die so genannten Lagerschnepfen ein beliebtes und immer wiederkehrendes Thema. Mehren sich doch die winterlichen Beobachtungen der Waldschnepfe in beachtlichem Maße. Ob es sich dabei tatsächlich um lokale Brut-, Rast- oder Überwinterer aus nördlicheren Gefilden handelt, sei dahingestellt.
Doch sind die „Vögel mit dem langen Gesicht“ mit dieser Änderung des Zug-, Rast- oder Wanderverhaltens beileibe nicht allein – sie befinden sich in guter Gesellschaft. Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes in Seewiesen analysierten das Wanderverhalten von insgesamt 30 Arten. Dabei zeigte sich, dass mindestens zehn dieser Spezies, darunter Kohlmeise, Wald- und Steinkauz, tatsächlich schon jetzt weniger weit oder überhaupt nicht mehr ziehen beziehungsweise verstreichen. Andere Untersuchungen wiederum zeigten, dass sich die durchschnittliche Ankunftszeit im Frühjahr um bis zu elf Tage nach vorn verschoben hat. Der herbstliche Wegzug erfolgt deutlich später und immer mehr Arten nutzen neue, nördlichere Überwinterungsgebiete.
So mehren sich Beobachtungen, dass selbst einige Kraniche bereits versuchen, im Brutareal zu überwintern. Ein prägnantes Beispiel für einen bereits etablierten „Nicht-mehr-Zieher“ bietet in unseren Breiten die Graugans.
Als Zwischenfazit deuten neben anderen wissenschaftlichen Erhebungen also auch die früheren Ankünfte von Zugvögeln im Frühjahr, ein früherer Beginn der Brutzeit, ein späterer herbstlicher Zugbeginn und eine Verschiebung der Brutareale gen Norden unzweifelhaft auf eine generelle Erwärmung Mitteleuropas hin.
Um die weitergehenden Folgen für das Vorkommen und Zugverhalten zahlreicher Arten zu dokumentieren, erstellten Forscher der Universitäten Durham und Cambridge sowie der Royal Society for the Protection of Birds einen Klima-Atlas. Demzufolge dürfen wir uns in absehbarer Zeit auf eine Vielzahl neuer Faunenelemente freuen. Pure Freude wird deswegen bei Jägern und anderen Naturbeobachtern jedoch nicht aufkommen. Denn auch bei den Folgen des Klimawandels auf die Vogelwelt wird es naturgemäß Gewinner und Verlierer geben. Das Warum und Weshalb wird Thema der nächsten „News“ an dieser Stelle sein. Also schaut mal wieder vorbei im Blog der Jagdschule Lüdersburg.