Noch immer befinden wir uns in der Ranzzeit der Füchse. Doch gehen wir theoretisch mal davon aus, dass sich die Mehrzahl der Fähen mittlerweile erfolgreich verpaart hat. Verpaart? In der Januar-Ausgabe wurde bereits beschrieben, dass sich die Rüden nach der Tragzeit an der Aufzucht der Welpen beteiligen können. Doch sind einerseits Dauerehen bei der Sippe Reinekes bisher nicht bekannt, andererseits zehntet die jagdlich bedingte und darüber hinausgehende Mortalität die Zahl der Rüden alljährlich in mehr oder minder hohem Maße. Überdies gibt es offenbar eine unbekannt hohe Zahl grundsätzlich polygamer Rüden. Und letztlich bedingt die Tatsache, dass sich die Fähen mitunter mit mehreren Rüden verpaaren, dass die Welpen eines Wurfes durchaus verschiedene Väter haben können.

Entscheidend für die Aufzucht der Welpen ist und bleibt deswegen die Fähe. Nicht zuletzt deshalb, weil die Welpen in den ersten etwa drei Lebenswochen ausschließlich von Muttermilch ernährt werden. Erst danach beginnt das Zufüttern von Fleisch und anderer eiweißhaltiger Nahrung. Zusätzlich zur Mutterfähe können Rüden und/oder je nach Nahrungsangebot, Wilddichte und Populationstruktur auch junge, selbst nicht an der Reproduktion beteiligte Fähen an der Nahrungsbeschaffung beteiligt sein. Etwa mit Beginn des Zufütterns erscheinen die Welpen auch erstmals auf dem Wurfbau.

Die Mehrzahl der Würfe erfolgt in Mitteleuropa in der zweiten März- und ersten Aprilhäfte. Bei ihrer Geburt bringen die durchschnittlich vier bis sechs Welpen etwa 100 Gramm auf die Waage. Ihre Entwicklung jedoch schreitet schnell voran. Denn schon im Alter von drei bis vier Monaten beginnen die Welpen mit selbständigen Streifzügen. Und bereits Ende Juli oder im August lösen sich die Familienverbände endgültig auf.

Immer wieder wird das „Umziehen“ der Fähe mit ihrem Geheck nach Störungen oder Bejagung am Wurfbau beschrieben. Dabei können erstaunliche Distanzen bewältigt werden. So fand Marcström (1968) in einer schwedischen Studie eine Fähe mit ihrem Geheck in einer Entfernung von vier Kilometern(!) zum Wurfbau wieder. Ebenso erstaunlich sind die Strecken, die von Jungfüchsen in ihrem ersten Lebensjahr zurückgelegt werden. So wurden in einer dänischen Untersuchung von 140 mit Ohrmarken markierten Welpen 19 (=13,5 %) als Jungfüchse in mehr als 25 Kilometern Entfernung vom Wurfbau erlegt oder rückgemeldet (Jensen 1973).